Pressemitteilung vom 21. März 2010
Schnaittenbach/München. (sor)
Einer der Gründe für die gleich bleibend hohe Zahl der Analphabeten im Lande sind überfüllte Klassen an den Schulen und mangelnde individuelle Betreuung einzelner Schüler. Anlässlich der internationalen Tagung zum Analphabetismus in Jena weist der SPD-Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl darauf hin, dass man in Bayern von einer Zahl von nach wie vor mindestens 650.000 Analphabeten ausgehen kann, da hier die genannten ursächlichen Bedingungen in den Schulen vorherrschen.
„In unseren immer noch zu großen Schulklassen kann von den Lehrerinnen und Lehrern kaum mehr darauf geachtet werden, ob Einzelne beim Lesen und Schreiben Probleme haben, geschweige denn, dass individuelle Hilfestellung möglich wäre“, so Strobl. „Dadurch wird die Basis für den so genannten sekundären Analphabetismus geschaffen, bei dem die Menschen trotz absolviertem Schulbesuch ohne die Fähigkeit, Lesen und Schreiben zu können durchs Leben gehen müssen. Ein kaum vorstellbares Handikap, welches das Leben des Einzelnen in allen Bereichen stark prägt. Ganz abgesehen von den gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Folgen“.
Exakte Zahlen über den Analphabetismus sind auch in Bayern schwer zu fassen, da die Betroffenen durch alle Raster fallen, indem sie Techniken entwickeln, dass diese Schwäche nicht offenbar wird. „Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Zahl über dem Bundesdurchschnitt von mehr als sechs Prozent der Bevölkerung liegt, da bei uns gerade auch im Grundschulbereich Bedingungen herrschen, die zur Entstehung beitragen. Das ist ein Problem, das man nicht klein reden kann, sondern nur durch spezielle Hilfestellungen im Kindes- wie Erwachsenenalter endlich in den Griff bekommen muss“, so Strobl, der eine entsprechende parlamentarische Anfrage im Landtag auf den Weg gebracht hat.
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