WAISCHENFELD (tw)
von Thomas Weichert
Auf Einladung des SPD-Ortsvereins war der SPD-Bildungsexperte und
Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach zu
einer relativ gut besuchten Diskussionsrunde zur Zukunft des bayerischen
Schulsystems in das Gasthaus Zur Sonne gekommen. Es ging dabei vor allem
auch um die bisher noch ungewisse Zukunft der Waischenfelder Hauptschule.
Wie berichtet, favorisiert der Stadtrat eine Zusammenarbeit mit der
Gesamtschule Hollfeld, was aber die Regierung (bisher jedenfalls) wegen des
Sonderstatus der Gesamtschule nicht für möglich hält. Die Hauptschule
Waischenfeld ist aufgrund drastisch sinkender Schülerzahlen möglicherweise
schon ab nächstem Jahr in ihrer Existenz gefährdet. Zum Beispiel dann, wenn
eine fünfte Klasse aufgrund der Übertritte in weiterführende Schulen nicht
mehr gebildet werden könnte. Die Übertrittsquote liegt laut Bürgermeister
Edmund Pirkelmann bei 70 Prozent. Ohne Kooperationspartner würde in diesem
Fall nach Ansicht des Ahorntaler Bürgermeisters Herbert Dannhäußer die
Hauptschule Waischenfeld, in die wegen des noch bestehenden Schulverbands
auch Kinder aus dem Ahorntal gehen, aufgelöst. Dannhäußer verwies auf das
Beispiel Heiligenstadt, einer Gemeinde etwa so groß wie Waischenfeld, wo die
Hauptschule auch vor zwei Jahren dichtgemacht wurde. Spätestens aber 2013
wird es die Hauptschule Waischenfeld wegen bis dahin nur noch 78
prognostizierten Schülern (die Ahorntaler schon mit eingerechnet) nach
Meinung von Dannhäußer in der jetzigen Form nicht mehr geben. Wohin sich
dann das Ahorntal orientiert, machte Dannhäußer davon abhängig, wie es in
Waischenfeld weitergeht. Er selbst tendiert für seine Hauptschüler dann eher
zur Christian-Sammet-Schule nach Pegnitz. Dorthin bestünden laut Dannhäußer
für die dann noch fünf bis sechs Hauptschüler aus dem Ahorntal bereits beste
Busverbindungen. Wohin die Ahorntaler Hauptschüler aber künftig gehen
sollen, will Dannhäußer den Eltern und seinem Gemeinderat überlassen. Roland
Dörfler, Leiter des Hauptschulzweigs der Gesamtschule Hollfeld, sah
Waischenfeld nur überlebensfähig, wenn man mit Hollfeld kooperieren könnte.
Diese Frage ist von der Staatsregierung aber noch nicht beantwortet. Das
ganze Hollfelder Hauptschulklassen nach Waischenfeld ausgelagert werden
könnten, funktioniere laut Dörfler nicht, da man dies den Eltern in Hollfeld
nicht klarmachen könne. "Auslagern" nach Waischenfeld könne man laut Dörfler
nur bestimmte Zweige wie Technik, Soziales oder Wirtschaft der Klassen
sieben bis neun für Schüler aus Waischenfeld und Umgebung. Wenig Chancen
räumte Dörfler dem Vorschlag von Elternbeiratsvorsitzendem Ralph Buus, in
Waischenfeld Orientierungsstufen für die Klassen fünf und sechs
einzurichten, ein. Dies hielt auch Strobl kaum für möglich, da die
Staatsregierung sich dann vom dreigliedrigen Schulsystem, das laut Strobl
das Aus für Landhauptschulen bedeuten wird, verabschieden und sie zudem
einräumen müsste, dass die Gesamtschule doch ein gutes Modell ist. Bayern
ist laut Strobl fast das einzige Bundesland, dass an dieser starren
Dreigliedrigkeit festhält. Die geplante Mittelschule bezeichnete Strobl als "Irrsinn". Er fragte, ob man es aus kommunalpolitischer Sicht wirklich
wolle, dass es in den kleineren Bayerischen Gemeinden keine Schule mehr
gibt. "Ich hege Zweifel, ob dies das Ziel der Landespolitik sein kann", so
Strobl, der betonte: "Wenn sich die Leute alles gefallen lassen, verfestigen
sich die Strukturen". Er riet, bei der Staatsregierung offiziell anzufragen,
ob eine Kooperation mit Hollfeld möglich ist oder nicht und die
Kommunalpolitiker und Eltern forderte er auf, viel mehr Druck auf die Staatsregierung gegen das dreigliedrige Schulsystem auszuüben. "Der Druck
für eine längere gemeinsame Schulzeit muss erhöht werden", so Strobl.
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WAISCHENFELD (tw)
von Thomas Weichert
Wie Hauptschulzweigleiter Roland Dörfler von der Gesamtschule Hollfeld bei einer SPD-Diskussionsrunde (siehe Bericht) in Waischenfeld erklärte, müsse man in Hollfeld auch ohne die Hauptschüler aus Waischenfeld bereits mindestens 13 neue Klassenräume anbauen. Würde die Hauptschule Waischenfeld aber aufgelöst, so stünden dann in Waischenfeld zehn Klassenzimmer leer. Angesichts der weiteren demografischen Entwicklung hält es Bürgermeister Edmund Pirkelmann daher für ein Unding, dass man in Holllfeld neue Klassenräume baut, die in zehn Jahren vielleicht schon wieder leer stehen.

Auch daher plädiert Pirkelmann für eine Kooperation zwischen Waischenfeld
und Hollfeld, da dies allen Landkreisgemeinen erhebliche Investitionskosten
einsparen würde. Zudem, so Pirkelmann, wäre die geplante Mittelschule für
die Waischenfelder Hauptschüler im Vergleich zur Gesamtschule Hollfeld eher
ein Rückschritt als ein Vorteil. Ex-SPD-Landtagsabgeordner Walter Engelhardt
riet dringend, die Gesamtschule Hollfeld als Regionalschule "für diesen Raum
zu stärken". Waischenfeld schloss er dabei mit ein.
Engelhardt erinnerte an
die Landräte Rudolf Eberhard (Ebermannstadt) und Fritz Gentner (Pegnitz) die
damals die Gesamtschule Hollfeld in weiser Vorrausicht initiiert hatten, damit Schüler aus dem Raum Hollfeld nicht nach Ebermannstadt fahren müssen.
Diese Regionalschule gelte es nun laut Engelhardt mit aller Macht zu
stärken, da es dabei auch um die Stärkung des ländlichen Raums insgesamt
gehe. Die geplanten Mittelschulen, bei denen Hauptschulen kooperieren
sollen, bezeichnete Engelhardt als "Schülerklau, wie es ihn nicht größer
geben kann". Im gesamten Landkreis Bayreuth soll es nach den bisherigen
Plänen nur noch vier solcher Mittelschulen geben. Waischenfeld und
Pottenstein sind bei diesem Modell bisher aber noch nicht mit einbezogen.
Diskutiert wurde daher auch, ob ein Schulverband zwischen Pottenstein,
Waischenfeld und Gößweinstein im Landkreis Forchheim Sinn mache. Doch auch dies heilt Ahorntals Bürgermeister Herbert Dannhäßer für ein tot geborenes
Kind. Denn wie Dannhäußer sagte, werde es zusammen an diesen drei Schulen
schon in zwei Jahren nur noch etwa 250 Hauptschüler geben. "Wenn man drei Kranke zusammenlegt, hat man noch lange keinen Gesunden", so Dannhäußer, der betonte, dass die
R 6 den Kindern das Kindsein genommen hat. Auch die
Existenz der Hauptschule Pottenstein sah der ehemalige Pottensteiner Hauptschullehrer stark gefährdet. "Pottenstein ist in sieben bis acht Jahren
nicht mehr existenzfähig", so Dannhäußer "Ist es daher nicht sinnvoller,
wenn wir zwei Gemeinden (Waischenfeld und Ahorntal) zehn Jahre
vorausdenken", fragte Dannhäußer in die Runde.
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