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Bayerische Verwaltung: Engpässe vorprogrammiert

Pressemitteilung vom 18. Februar 2008

 

Der Freistaat vernachlässigt die bedarfsgerechte Ausbildung in der Verwaltung und sieht sich in naher Zukunft einem gravierenden Fachkräftemangel ausgesetzt, wenn ein großer Schub der Verwaltungsangestellten und Beamten in den Ruhestand gehen“, meint der SPD-Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl auf die Antwort von Staatsminister Erwin Huber zu einer entsprechenden Anfrage hin. „Wie wichtig aber eine funktionierende Verwaltung ist, zeigt sich gerade heute, wenn man an den Steuerskandal denkt, der die Republik erschüttert. Da ist eine effizient arbeitende Verwaltung wichtig.“

Strobl hatte Anfang Dezember vergangenen Jahres im Landtag eine entsprechende Anfrage zur Personal- und Ausbildungssituation im Dienst des Staates gestellt und nun von Huber eine alarmierende Antwort bekommen. Demnach werden von den insgesamt etwa 102.000 Beschäftigten im mittleren Dienst allein in den nächsten zehn Jahren rund 17.000 in den Ruhestand gehen. „Das sind fast 17 Prozent aller Kräfte, die fehlen werden. Beispielsweise allein in der Steuerverwaltung stehen 4566 über Fünfzigjährigen nur 875 bis 29 Jahre gegenüber (siehe Anhang)“, betont Strobl. „Der Staat aber reagiert darauf nicht, sondern verfolgt aus Ersparnisgründen ein Stellenabbauprogramm, das durch Wiederbesetzungssperren die Mangelwirtschaft vorprogrammiert. Dabei kann von Bedarfsausbildung, auf die man sich zurückziehen will, keine Rede sein. Hier ist schlicht Kurzsichtigkeit Trumpf!“

Vor allem betroffen von der Reduzierung in Ausbildung und Wiederbesetzung ist der mittlere Dienst in Bayern. Waren es hier allein in der Steuerverwaltung im Jahr 1995 noch 308 Ausbildungsplätze so sind sie bis zum Jahr 2006 sukzessive auf 79 Plätze reduziert worden. Im selben Zeitraum schrumpften die Ausbildungsplätze in der Polizeiverwaltung von 605 auf 308. „Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass die Ausbildungsplätze in den einzelnen Bereichen im Mittleren Dienst in den letzten zehn Jahren halbiert, wenn nicht gar gedrittelt wurden“, betont Strobl. „Von insgesamt 1496 Ausbildungsplätzen im mittleren Dienst 1995 sind 2006 gerade mal 648 übrig geblieben.“


Die Lösung, die Ausbildung des Personals auf die freie Wirtschaft abzuwälzen, bei der ohnehin zu wenig ausgebildet wird lässt Strobl nicht gelten: „Wenn Herr Huber wörtlich meint, solle sich in Zukunft ein Mangel an geeigneten Bewerbern abzeichnen, wären geeignete Maßnahmen zu treffen, um die Attraktivität des öffentlichen Dienstes im Wettbewerb mit anderen Arbeitgebern zu sichern, dann ist das ein Witz. Es sollte eigentlich jedem klar sein, dass eine erhöhte Zahl von Pensionierungen gepaart mit einer radikalen Reduzierung der Nachwuchsausbildung in der Verwaltung des Freistaats das Chaos vorprogrammiert. Gerade als Industriestandort können wir uns das nicht leisten. Hinzu kommt, dass gerade der Staat zu seiner Verantwortung in der Ausbildung junger Menschen stehen muss. Da sind solche Äußerungen unerträglich.“ Übrigens beträgt das Durchschnittsalter der Beamten am Finanzamt Amberg etwa 50 Jahre.

Anlage:

In der Anlage erhalten Sie eine Übersicht. Hier wird deutlich, wie die Entwicklung im Bereich der öffentlichen Verwaltung in den nächsten Jahren sein wird.


 

 

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