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Keine Weihnachtsgeschichte!

Pressemitteilung vom 15. Dezember 2008

 

 

Sie war jung und ihr Traumberuf war Lehrerin. Sie wollte lernbehinderten Menschen helfen und ergriff deshalb das Studium der Sonderpädagogik. Sie wurde vom Land Bayern gebraucht und bekam deshalb auch eine Anstellung. Zunächst für ein Jahr - mit 17 Wochenstunden. Am Ende des Schuljahres meldete sie sich wieder arbeitslos. Sie wurde jedoch gebraucht und bekam imnächsten Schuljahr wieder einen Jahresvertrag - wieder mit 17 Wochenstunden. So ging es insgesamt 9 Jahre weiter - mal mit 17 Wochenstunden, mal als Vollzeitstelle, dann wieder mit 20 Wochenstunden. Jedes Jahr die gleiche Ungewissheit. Jedes Jahr die neue Suche nach einer neuen Stelle als Lehrerin. Aber sie wurde vom Land Bayern immer wieder gebraucht.

Dann auf einmal wurde sie nicht mehr gebraucht. Das Land Bayern hatte gab ihr keinen festen Vertrag. Mit ihrer Note hätte sie zwar an jeder Hauptschule, an jeder Realschule und an jedem Gymnasium einen festen Anstellungsvertrag bekommen, nicht jedoch an einer Förderschule. Das Kollegium der Willmannschule in Amberg war entsetzt und empört, dass ihre langjährige geschätzte Kollegin im Schuljahr 2008/09 ohne staatliche Anstellung bleiben soll. Sie habe sich durch ihre jahrelange Tätigkeit als Sonderschullehrerin an der Schule sehr verdient gemacht. Sie habe engagiert und qualifiziert Diagnose- und Förderklassen geleitet, hervorragend mit dem Team zusammengearbeitet und verantwortungsbewusste Zusatzaufgaben freiwillig und gewissenhaft übernommen. Es wäre ein großer Verlust für die Einrichtung, sie als erfahrene Kollegin zu verlieren. Das Kollegium und der Elternbeirat der Willmannschule baten deshalb in einer Petition an den Bayerischen Landtag um die Anerkennung des jahrelangen Einsatzes der Lehrerin für die Schule und deren Schüler.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl war bei der letzten Sitzung des Bildungsausschusses Berichterstatter zu dieser Petition. Er hatte sich vorher informiert und ihm wurden solche Sätze wie "Hat sich als Lehrkraft voll bewährt", "Hat sich voll ins Schulleben eingebracht", "Wir wollten sie mit aller Macht halten" und "Sie war genau die richtige Lehrerin" gesagt. Diese Information gab Strobl auch dem Bildungsausschuss weiter. Allerdings lag dem auch die Antwort des Ministeriums vor: "Die im Laufe mehrerer befristeter Arbeitsverträge erbrachten beruflichen Leistungen können -selbst wenn sie von überdurchschnittlicher Qualität sind - nicht für die Einstellungsentscheidungen herangezogen werden, zumal eine wie auch immer geartete "Bewährungsregelung" keine neuen Einstellungsmöglichkeiten schaffen würde. Sie hätte vielmehr lediglich zur Folge, dass bei einer Vielzahl von Bewerbern mit "Bewährungsbonus" die Einstellungsnote sinken, d.h. die Notenanforderungen steigen und damit andere Bewerber keine Anstellung erhalten würden."

Dem widerspricht allerdings Strobl: "Warum wurde dann in den letzten Jahren keine andere Lehrkraft eingestellt? Warum wurde immer wieder auf sie zurückgegriffen?" Er hat auch die Antwort parat: "Weil sie gebraucht wurde." Inzwischen sei die Lehrerin 36 Jahre alt. Strobl: "So darf der Staat nicht mit seinen Beschäftigten umgehen." Der Lehrkraft bleibe, so Strobl, fast nichts anderes übrig, als in ein anderes Bundesland auszuwandern. Dort würde sie sicherlich gerne genommen. Derweil hat der BLLV ausgerechnet, dass an Förderschulen in Bayern 8,2 % des Unterrichts nicht regulär erteilt werden und 1,6% ersatzlos ausfallen. Der BLLV forderte erst vor kurzem pädagogische Verbesserungen, zu deren Maßnahmen insgesamt 710 Förderschullehrer/innen notwendig seien. "Eigentlich wollte Seehofer doch Lehrer einstellen." erinnert sich der SPD-Landtagsabgeordnete. Er könnte hier den Anfang machen - dann wäre es vielleicht doch noch eine Weihnachtsgeschichte.

 


 

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